Soziale Teilhabe sichern!

Bei der psychosozialen Unterstützung, den Selbsthilfegruppen, den Tafeln, der Obdachlosenhilfe, den Jugendeinrichtungen, den Gewaltschutzzentren aber auch bei der Gesundheitsversorgung sind die wegbrechenden Strukturen und Löcher im Hilfesystem besonders spürbar. Mit diesen Einrichtungen habe ich in der Pandemie immer wieder versucht, kurzfristige Lösungen zu finden und Probleme öffentlich sichtbar zu machen. In der akuten Pandemieeindämmung waren es nämlich die Menschen, deren Stimme nicht gehört wurde, die erheblichen Schwierigkeiten ausgesetzt waren. Ich bin unfassbar beeindruckt, wieviele Menschen sich ehrenamtlich weiter engagiert haben, in dem Wissen, sich selbst dabei der Infektionsgefahr auszusetzen. Sie haben Lebensmittel zu Haushalten gefahren, Kleidung verteilt und sind dort in Lücken gesprungen, wo der Staat seine Angebote nicht mehr aufrechterhalten konnte. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass wir jetzt gemeinsam mit den Kommunen schauen, welche Angebote wir ausbauen müssen, um diese Lücken zu schließen. Politik hat zu lange die Verantwortung auf die Zivilgesellschaft abgewälzt, statt selber Lösungen zu finden. Das will ich ändern.

Die Pandemie hat die Armut in unserem Land erhöht – skandalös in einem so reichen Land wie Deutschland. Dass Kinder in Deutschland ein Armutsrisiko sind, Menschen von ihrem Einkommen ihre Kinder nicht versorgen können oder trotz mehrerer Jobs wissen, dass sie von ihrer Rente nicht leben können, ist für mich unerträglich.

Insbesondere für Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz erhalten, braucht es öffentlich geförderte Angebote, damit sie nicht direkt nach der Schule in ein Loch fallen.Familienzentren sind hier großartige Einrichtungen, in denen Familien Hilfsangebote aus einem Guss erhalten. 

Die Gewalt in Familien hat während der Corona-Pandemie drastisch zugenommen. Aber die wenigen Frauenhäuser und Gewaltschutzzentren, die wir in Niedersachsen haben, hatten nicht die Kapazitäten und Strukturen, um die Frauen und Familien zu erreichen und zu begleiten. Gleichzeitig sind die Kinder nicht mehr zur Schule gegangen und hatten keine Möglichkeiten, sich außerhalb der eigenen vier Wände aufzuhalten. Wir müssen die Plätze in Frauenhäusern und die Gewaltschutzzentren in Niedersachsen dringend auszubauen. Wir müssen hinschauen und der Gewalt entgegentreten – wegschauen ist keine Alternative.